Fellwechsel, Cushing & Co. – Scheren zur Gesunderhaltung?

Beim Scheren gibt es gefühlt nur zwei Lager: diejenigen, die auf jeden Fall scheren, und diejenigen, die es unter gar keinen Umständen tun würden. Doch mal abgesehen von den verschiedenen Haltungs- und Trainingsformen im Reitsport darf man eines nicht außer Acht lassen: die Gesundheit der Pferde. Denn manchmal muss das Pferd – egal ob Offenstall-Hero oder Paddockbox-Zicke –  geschoren werden, um dem Pferd den Alltag zu erleichtern und die Lebensqualität zu steigern. Auch, wenn der Ponybesitzer das eigentlich gar nicht will.

EQUINE CUSHING SYNDROM

Der bekannteste Grund zum Scheren aus Gesunderhaltung ist wohl das Cushing. Irgendwie spricht jeder darüber, aber nicht viele wissen überhaupt, was das wirklich ist.

Und vor allem: wie spricht man das eigentlich aus?! 
Auf den ersten Blick möchte man den Begriff gerne englisch aussprechen, nämlich „Kasching“.Der Name wird jedoch von seinem Entdecker Harvey Williams Cushing abgeleitet, welcher sich „Kusching“ ausspricht. Cushing gibt es im Übrigen auch beim Menschen, weshalb man es korrekt als Equine Cushing Syndrom bezeichnet.

Was passiert bei Cushing?

Cushing ist eine Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse, die auch Hypophyse genannt wird. Diese Drüse ist für die Steuerung verschiedener Körperfunktionen verantwortlich und spiel eine besonders wichtige Rolle bei Kontrolle des Hormonhaushalts. Zudem ist sie Teil des Steuerkommandos des unwillkürlichen Nevernsystems. Cushing kann aber auch durch eine Störung der Nebenniere entstehen. Bei beiden Störungen passiert aber eins: der Körper bildet zu viel Kortisol. Dieses Stresshormon ist wichtig für alle Körpergewebe und wirkt sich auf fast alle Organe des Pferdekörpers aus. Gebildet wird Kortisol in der Nebenniere. Den Startschuss für die Produktion gibt aber die Hirnanhangdrüse, in dem das Hormon ACTH ausgeschüttet wird. ACTH wiederum regt die Nebenniere an, Kortisol zu produzieren. Leidet das Pferd am Cushing-Syndrom, wird zu viel ACTH ausgeschüttet – und im Umkehrschluss wird zu viel Kortisol in der Nebenniere produziert. Die Folgen davon sind:

  • sichtbare Probleme des Fells, es wirkt struppig und lockt sich
  • sehr langsamer Fellwechsel und viel Fell
  • vermehrte Aufnahme von Wasser und zeitgleich vermehrtes Absetzen von Urin
  • Fetteinlagerungen
  • langsame Wundheilung
  • Bewegungsunlust
  • Hufrehe

Diagnostiziert wird Cushing durch einen Bluttest beim Tierarzt durch den erhöhten ACTH-Wert.

Liegt die Diagnose erst einmal vor, sollte auf jeden Fall die Ernährung angepasst werden. Stärke- und Zuckerreduziert sollte auf dem Ernährungsplan stehen und man sollte sicherstellen, dass eine ausreichende Versorgung von Mineralstoffen und Spurenelementen gegeben ist. All das in Absprache mit dem Tierarzt  – durch das Blutbild können alle Mängel aufgezeigt werden.

Das Problem mit dem Fell

Cushing-Pferde sind oft recht schnell an ihren Locken oder aber dem sehr langen Fell zu erkennen. Diese Pferde kommen auch nur sehr langsam und sehr schwer durch den Fellwechsel. Gerade betroffene ältere Pferde, die ohnehin im Alter oft Probleme mit dem Fellwechsel haben, tun sich hier besonders schwer. Der ganze  Stoffwechsel läuft auf Hochtouren und die Lust, sich zu bewegen, sinkt. Sind die meisten Pferde schon aus dem Fellwechsel draußen und haben ihr Haarkleid in den wärmeren Temperaturen längst verloren, quält sich ein Cushing-Pferd mit einem dicken Pelz. Deshalb ist es ratsam, die Pferde zu scheren, um ihrem Organismus zu helfen. Durch die übermäßige Fellproduktion muss ggf. öfter im Jahr geschoren und selbstverständlich im Winter mit Decken den Temperaturhaushalt wieder ausgeglichen werden. Und auch den Offenstallpferden sollte hier durch eine Schur geholfen werden, denn bei all der Tierliebe sollte man nicht vergessen es macht keinen Sinn, wenn ein Pferd mit „Winterfell“ durch den Sommer traben muss.

Das ältere Pferd

Auch bei älteren Pferden wird der Fellwechsel immer schwieriger, jedoch zeigen sich hier zweierlei Gesichter: bei den einen wird das Fell immer dünner und man muss darauf achten, dass die Pferde nicht frieren und ggf. eindecken. Bei den anderen wächst im Alter das Fell immer dichter und länger und dementsprechend kommen diese Pferde auch später aus dem Fellwechsel heraus. Auch hier sollte abgewogen werden, ob eine Schur dem älteren Pferd Erleichterung bringen könnte, auch wenn es nicht mehr intensiv trainiert wird.

FESSELPFLEGE

Der Fesselbehang bei Pferden gefällt nicht jedem, hat aber seinen Sinn. Er dient dazu, die Fesselbeuge trocken zu halten und vor Umwelteinflüssen zu schützen. Der lange Behang leitet dabei das Wasser nach unten ab. Diese Funktion kann aber nicht mehr aufrecht erhalten werden, wenn das Pferd direkt im hohen Matsch und Wasser steht. Gerade jetzt zu dieser Jahreszeit müssen wir deshalb vermehrt auf die Sauberhaltung des Behangs und der Fesselbeuge achten. Allerdings kommt es hier dennoch schnell zu Problemen und Entzündungen – Mauke lässt grüßen. Auch Milben setzen sich gerne im Fesselbehang ab und es kann zur Räude kommen. Daher ist es wichtig, dem Fesselbehang besondere Aufmerksam zu schenken und ausreichend zu pflegen. Bei Kaltblutrassen gehört der Fesselbehang natürlich zum Typ und zum Aussehen dazu. Bei sportlichen Warmblütern wird hier aber gerne vorgesorgt und der Behang geschoren. Das hat den Vorteil, dass man die Fesselbeuge einfacher reinigen kann  und zudem hat man auch eine bessere Sicht und kann keine Entzündung übersehen.

Das Scheren der Fesseln kann bedenkenlos gemacht werden und hat keine Beeinträchtigungen für das Pferd. Kleiner Tipp: in Wuchsrichtung scheren, dann ist die Funktion des Wasserableitens dennoch gegeben.

Danke an Julia von @mein.pony.johnny für die Bereitstellung der Bilder und an das Pony Gola :)!

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