Pferde im Sommer putzen?

Zugegeben, ich bin kein guter Maßstab, wenn man die verschiedenen Putz-Charaktere vergleichen möchte. Ich würde mich ganz klar in die Kategorie „Der-Pflege-Ultra“ einordnen. Das sind die ganz krassen Putzmeister, die jeden Tag mindestens die Hälfte der Zeit mit Putzen und Sprühen und Pinseln verbringen, um dann beim Training immerhin gut auszusehen. Diese Pferde sind natürlich niemals nicht dreckig und das Glänzen in der Box ist mindestens genauso wichtig, wie das qualitativ hochwertige Futter und die perfekt sitzende Ausrüstung.

In der nächsten Kategorie finden wir „Der Stets-Bemühte“. Kandidaten in dieser Kategorie haben es gerne sauber und und investieren eigentlich auch gerne Zeit darin, aber wenn es zeitlich eng ist und man spät dran ist, dann wird auch gerne einfach nur drüber geputzt. Eben stets bemüht, aber ohne das letzte Fünkchen Begeisterung.

Apropos „drüber putzen“. Die dritte Kategorie:
„Der Drüber-Putzer“. Er findet es prinzipiell schon wichtig, dass das Pferd sauber ist, möchte aber nicht intensiv Zeit darin investieren. Er macht sich keine genaueren Gedanken darüber, dass der angetrocknete Dreck sich zwar gut und schnell abbürsten lässt, aber dennoch – auch wenn nicht ersichtlich – etwas tiefer sitzt. Sauber ist schließlich sauber – und fürs Longieren oder eine nur kurze Reiteinheit reicht das schon einmal aus. Für diesen Kandidaten ist die Kardätsche einfach nur eine Bürste und Unterschiede findet er auch keine – und sind auch völlig unnötig. Der Putzkasten besteht aus genau 4 – maximal 5 Produkten: Striegel, Kardätsche (also Bürste), Hufkratzer und in den meisten Fällen ein Fellhandschuh, denn Glanz ist ja schon schön und es geht schnell. Manchmal findet sich noch eine Bürste mit längeren Borsten, ähnlich einer Wurzelbürste. Für alle Fälle, falls sich das Pferd kurz vor oder nach dem Reiten noch schnell wälzt.

Kommen wir nun zur letzten und vierten Kategorie:
„Der Im-Sommer-gar-nicht-Putzer“. Sie putzen an trockenen Tagen (oder wenn das Pferd noch nicht auf der Wiese war) so gut wie gar nicht – das Fell ist ja schön kurz, es haart nicht und Dreck findet sich auch keiner. Diese Kandidaten findet man auch oft im Winter mit den geschorenen Pferden (sie sind fast schlimmer, denn mit einer dicken Winterdecke bleibt das Pferd ja komplett verschont von etwaigen Schmutz) – aber diesen Bericht behalte ich mir für den Winter auf 🙂
Das Pferd sieht auf den ersten Blick sauber aus, also kann man sich die Zeit gut sparen und vor dem Training lieber noch einmal länger mit der Stallkollegin quatschen oder sich schon einmal Gedanken darüber machen, in welchem Outfit man heute reiten soll. Die Hufe werden immerhin noch schnell ausgekratzt und ganz evtl. wird an den Beinen kurz mit einer Wurzelbürste die letzten Spuren der Koppel entfernt. Sattel und Trense drauf – los gehts!

Natürlich sind diese vier Kategorien sehr überspitzt und dramatisch dargestellt. Aber mal Hand aufs Herz – in welcher Kategorie findet ihr Euch wieder? Wenn man ehrlich ist, macht man sich manchmal gar nicht so genaue Gedanken darüber, ob ein Pferd wirklich sauber ist, auch wenn man äußerlich keine sofort sichtbaren Flecken sieht. Dabei ist es ähnlich wie bei uns Menschen: auch wir sind nicht immer dreckig oder voll mit Schmutz und dennoch duschen wir täglich, waschen uns das Gesicht und putzen die Zähne. Und das auch, wenn wir keinen Sport gemacht und geschwitzt haben.

Aber unsere Pferde sind 24h am Tag der Natur und der Witterung ausgesetzt. Sie wälzen sich oft am Tag und nicht immer bleiben davon sichtbare Schlammkrusten im Fell hängen. Besonders, wenn die Böden sehr trocken sind, bleiben keine großen Reste in den Haaren, aber dennoch arbeitet sich der Mikro-Staub durch das Fell direkt auf die Haut unserer Pferde vor. Wird dieser nicht entfernt, kann es genauso Hautkrankheiten und -Irritationen kommen, wie bei längerem Winterfell. Besonders im Sommer ist darauf zu achten, die Brust und den Bereich zwischen den Beinen sauber zu halten. Denn hier setzen sich auch oft Kribbelmücken ab oder der Bodenbelag beim Galopp durch den Wald bleibt hier hängen. So kommt es schnell zu Scheuerstellen oder kleinen Entzündungen.

An heißen Tagen, wenn die Pferde beim Training schwitzen, duschen wir unsere Pferde nach dem Reiten wie selbstverständlich ab oder putzen da noch einmal kurz über die feuchte Sattellage. Aber wie sieht es aus, wenn das Pferd beim Reiten nicht geschwitzt hat oder nur auf der Koppel stand den ganzen Tag? Auch dann hat das Pferd tagsüber geschwitzt – ohne, dass wir das am Abend noch sehen können. Offensichtlich wird das, wenn wir das Pferd irgendwann mal abduschen und durch die weißen Rückstände feststellen, dass sich ganz schön viel Schweiß im Fell angesammelt hat. Dieser juckt und kratzt mit der Zeit und greift die Haut an. Auch hier ist es wieder ähnlich, wie bei uns Menschen: wenn wir im heißen Auto sitzen bewegen wir uns auch nicht, aber schwitzen dennoch. Man fühlt sich einfach schmutzig und wir möchten so schnell wie möglich unter die Dusche, um uns wieder sauber zu fühlen.

Natürlich muss an dieser Stelle auch sagen, dass das Pferd ein Tier ist – und kein Mensch. Und die Wildpferde auch nicht geputzt werden und trotzdem alt werden. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass unsere Pferde, wie wir sie halten und haben, nicht mehr mit den Wildpferden zu vergleichen sind und auch nicht mehr die natürlichen Triebe besitzen bzw. lernen, sich in der Wildnis zu pflegen. Dazu kommt, dass der Mensch schon zu weit in die Entwicklung und die Gewohnheiten der Haut und des Fells des Pferdes eingegriffen hat. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch das auch weiter tun und versuchen, so gut es geht -und so natürlich wie möglich zu pflegen!

Bilder: Lisa Sophia Fotografie @lisasophiafotografie / @aquilegia_se.m
Produkte: HAAS Manufaktur & Equidocs

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