Leder & Pflege – do‘s & don‘ts

Wir nutzen es im Alltag täglich – und sehr oft auch unbewusst. Wer Reitsport betreibt, nutzt es unumgänglich: das Leder. Die Trense, der Sattel, das Halfter, die Ausbinder, die Handschuhe, die Gamaschen, die Stiefel und der Besatz der Reithose – sie alle sind aus Leder. Aber mal Butter bei die Fische: was ist Leder eigentlich?

Die schlimme Nachricht gleich vorweg: ja, Leder ist Tierhaut. Das ist einem, zumindest geht es mir so, im täglichen Umgang eigentlich gar nicht so bewusst. Heutzutage ist es quasi Trend, „Veggie“ unterwegs zu sein. Am besten wäre eigentlich vegan – aber der Ein oder andere kommt doch nicht von den Nudeln los. Aber da es sich so schick anhört, ernährt man sich auf jeden Fall noch gluten-, laktose- und getreidefrei. Und ansonsten unterschreibt man gerne auch eine Petition von PETA gegen Pelze (DAS finde ich persönlich auch gut und richtig) und möchte sich eigentlich auch komplett ohne tierische Produkte durchs Leben bewegen. Ich selbst möchte mich dieser These eigentlich gar nicht wirklich entziehen, auch ich wäre gerne Vegetarier und würde noch so viel mehr in Sachen Tierschutz machen! Und dann nutzen wir täglich Tierhaut, um unsere Pferde zu reiten? Passt das zusammen?

Ja das passt zusammen. Sind wir mal ehrlich, keiner möchte sich mit dem Thema näher auseinander setzen. Es gibt Dinge, die waren schon immer so und haben sich bewährt und deshalb werden sie auch aufrecht erhalten. Wir können den natürlichen Kreislauf von „Fressen und gefressen werden“ nicht verhindern. ABER: wir können unseren Konsum verantwortungsbewusster machen. Und hier kommt noch ein ganz ehrlicher Fact, den man in der Bling-Bling-Reitergesellschaft gerne übersehen möchte: das durchschnittliche Pferdemädchen ist nicht Tochter von Beruf mit eigener Reitanlage und einem prall gefüllten Bankkonto. Die meisten von uns sind ganz normal berufstätige Mädels, die täglich ein oder zwei Jobs gleichzeitig machen, damit es ihren Schätzen im Stall an nichts fehlt. Und wenn der Sattel nicht mehr passt, dann kann einfach nicht immer eben mal so für ein paar Tausend Euro ein neuer Sattel gekauft werden, der allen aktuellen Trendansprüchen entspricht. Meistens wird es ein gebrauchter Sattel und eben diese sind dann schon ein paar Jahre alt, weil es so etwas früher einfach nicht gab.

Und genau hier kommt das Thema Verantwortungsbewusstsein und die Lederpflege in dieser Wegwerfgesellschaft ins Spiel. Das Leder verdient es, so gut wie möglich gepflegt zu werden, um lange gut erhalten zu sein und um jeden Tag tolle Dienste zu erweisen! (Amen!)

Nach dieser komplexen Einleitung wird es jetzt leider nicht einfacher: ähnlich wie beim Thema Hufpflege gibt es hier ungefähr drölftausend unterschiedliche Meinungen, welches Mittel das Beste zur Pflege ist und wie oft man Sattel, Trense & Co. pflegen sollte. Ich möchte hier meine ganz persönliche Meinung beschreiben und ich bin auch für jede andere Meinung offen. Diese Art und Weise hat sich für mich und meine Lederprodukte über die Jahre hinweg bewährt.

Was passiert im Leder bei der Nutzung?

Meistens nutzen wir das Glattleder. Je nachdem für was es verarbeitet werden soll, kann das Leder vom Kalb, vom Rind, vom Schwein, vom Büffel oder vom Lamm kommen. Auch das Klima der Region, in welcher die Tiere aufwachsen kann sich qualitativ auf das Leder auswirken. Durch die Nutzung des Leders entstehen winzig kleine Risse und Brüche im Leder, in die dann Feuchtigkeit, der Schweiß des Pferdes und Staub eindringen kann. Diese Schäden sind irreparabel! Durch die Sonne oder eine beheizte Sattelkammer trocknet der Sattel dann aus und das Leder wird porös, hart und brüchig. Wir unterscheiden bei der Pflege in Reiniger und Conditioner. Für dieses Beispiel habe ich das Duo von Equixtreme genutzt, aber das Prinzip ist bei allen Pflegemitteln quasi dasselbe.

Lederseife

Der erste Schritt bei der Pflege sollte immer erst das reinigen sein. Wenn Du einfach mit einem Pflegebalsam wild über das Leder streichst, kann es zusammen mit dem Schmutz die Poren des Leders verschließen und im besten Fall kann es dann sogar schimmeln. Der Reiniger / die Seife sollte sparsam aufgetragen werden, aber sorgfältig mit einem weichen Tuch oder Schwamm eingearbeitet werden. Je nach Produkt muss das Leder nochmals kurz trocknen oder trocken gerieben werden. Achtet unbedingt darauf, das Leder nicht zu „tränken“. Dadurch kann es sich dehnen und aufquellen und auch die Nähte verkraften das nicht so toll. Bei meinem Beispiel mit den Produkten von Equixtreme geht das ganze auch sehr simpel und schnell: durch das praktische Spray, ist der Reiniger blitzschnell aufgetragen und man kann es auch gezielt für die besonders kniffligen Ecken am Sattel benutzen. Für schmalere Riemen z. B. an Trensen, kannst Du den Reiniger auch direkt auf einen Schwamm aufsprühen. So brauchst Du keinen extra Eimer Wasser, was gerade im Winter auch sehr komfortabel für Deine Hände ist.

Leder-Conditioner

Mit einem Conditioner gibst Du dem Leder nachhaltige Feuchtigkeit zurück und das hart und matt gewordene Leder wird wieder weich und glänzend. Zusätzlich legt sich ein kleiner Schutzfilm über die Struktur, der das Material ein wenig vor äußeren Einflüssen schützt.

Wie oft?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Natürlich kommt es hierbei darauf an, wie häufig das Leder genutzt wird. Ich nutze Sattel und Trense jeden Tag, sie werden staubig durch die Halle oder bekommen auch mal ein paar Regentropfen ab. Ich persönlich reinige deshalb meine Trense nach jedem Gebrauch. Kein Gegenstand hat so direkten Hautkontakt mit dem Pferd und ist solchen Strapazen ausgesetzt und brauchen deshalb schneller und häufiger Pflege, als der Sattel. Meinen Sattel pflege ich ca. 1x in der Woche. Aber dies muss jeder an seine eigene Nutzung anpassen.

Zum Schluss schützen wir das Leder noch, in dem wir es nicht in den Sand legen und einen Schoner über den Sattel machen. Sonst kann es schnell und sehr gerne zu unschönen Kratzern kommen, die nie wieder rauszubekommen sind.

Fazit

Seid gut zu Eurem Leder, dann habt ihr auch sehr lange was davon. Auf einem eingefetteten Sattel lässt es sich übrigens manchmal auch besonders gut sitzen 🙂

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