Mineralfutter Teil 1: Sportpferde-Fütterung

– nachgefragt bei Migocki Tierernährung

Die Tage werden immer länger und die Temperaturen steigen täglich immer weiter – abgesehen von dem aktuellen Wetter, da ist uns Frau Holle definitiv noch eine Entschuldigung und Erklärung schuldig! Nicht nur wir Menschen freuen uns über die Sonnenstrahlen, auch unsere Pferde genießen es, in der Sonne zu dösen und strecken gerne ihren Rücken der Sonne entgegen.

Mit dem schönen Wetter steigt bei mir auch automatisch die Motivation und die Lust am Training. Ich bin motiviert, ausgedehnt die Pferde zu putzen, mein Equipment auf Hochglanz zu polieren und vor oder nach dem Training am besten noch eine kleine Schrittrunde im Gelände anzuhängen. Schließlich bereitet man sich ja auch insgeheim auf die Turniersaison vor und reist vermehrt zu den Lehrgängen der Region. „Der Sommer kommt“ – gerade eben war das Pony noch ein kleines dickes Plüschtier mit ganz viel Winterfell – und so langsam verwandelt sich das Fell in schönes, kurzes Sommerfell. Die verschiedenen Muskelpartien kommen wieder mehr zur Geltung und man kann Defizite auch besser erkennen. Wir möchten aus unseren Pferden kleine Muskelpakete machen – einerseits, um das Pferd so gesund wie möglich zu halten – und andererseits, um im Training natürlich weiter zu kommen.

Je länger und intensiver die Bewegung und das Training – umso mehr erhöht sich auch die Beanspruchung der Muskeln, Sehnen und Bänder der Pferde. Bei höheren Temperaturen kommen wir und die Pferde natürlich auch schneller und höher ins Schwitzen. Prinzipiell sind das eigentlich alles positive Nebeneffekte – doch was passiert da eigentlich wirklich im Pferd und was bedeutet das für unsere Fütterung?

Um qualitative und kompetente Informationen weiterzugeben, habe ich bei André Migocki nachgefragt:

„Muskelbelastung, Stress und Anspannung an den Turniertagen sind oftmals ausschlaggebend für eine vermehrte Bildung von Milchsäure im Organismus, sowie zu erhöhten Flüssigkeits- und Mineralstoffverlusten. Diese führen dann zu Leistungsabfall und langen Erholungsphasen. Auch erhöht sich der Bedarf an Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen in diesen Zeiten.

Eine ausreichende Wasserversorgung gerade an heißen Turniertagen stellt eine wichtige Grundversorgung des Pferdes dar. Wasser stabilisiert die Konzentration und die Leistungsfähigkeit, es beugt Müdigkeit vor und unterstützt einen reibungslosen Stoffwechsel sowie die gesunde Verdauung. Wasser gilt auch als eine wichtige Versorgung für den Bewegungsapparat, es ist das „Gleitmittel“ der Gelenke. Somit ist auch auf einen ausgeglichenen Elektrolyt Haushalt, gerade an heißen Tagen zu achten. Elektrolyte sind für die Impulsgebung der Herzkranzgefäße unabdingbar und unterstützen somit das intakte Herz- Kreislaufsystem. Durch vermehrtes Schwitzen entsteht der sogenannte hypotone Elektrolytverlust dabei ist der Natriumverlust höher als der eigentliche Wasserverlust. Bei einem erhöhtem Elektrolytverlust ohne einen zeitnahen Ausgleich kann ein Elektrolyte Schock auftreten. Dieser äußert sich in Verkrampfungen der Muskulatur, Störungen des Herz- und Kreislaufsystem, oder auch Störungen im Verdauungstrakt.

Ein mit zu berücksichtigendem Faktor in der Sommerzeit ist auch der erhöhte Bedarf an Vitamin A die Vorstufe des ß-Carotin. Die erhöhte Aussetzung der Sonne gerade bei mehrtägigen Wettkampftagen im freien stellt ein hohe Augenbelastung dar. Der Verbrauch an Vitamin A ist dabei deutlich erhöht. Vitamin A beeinflusst im Allgemeinen die Sehkraft, die Lichtempfindlichkeit und die Wahrnehmungskraft des Pferdes.

Des Weiteren unterstützt Vitamin A auch die Proteinverwertung, den Leberstoffwechsel und schützt die Atemwegsschleimhäute, die meist an heißen und trockenen Turniertagen einer erhöhten Staubbelastung ausgesetzt sind. Vitamin A bewährt sich auch als Schutz der Magen- und Darmschleimhaut und ist für den gesunden Verdauungstrakt somit von Vorteil, gerade bei einer erhöhten Stressbelastung.

Wir empfehlen während der Turniertage zu einer „leichten“ Fütterung basierend auf genügend Heu, um durch den darin enthaltenen Calcium Anteil den Säure-Basen-Haushalt des Pferdes ideal auszugleichen. Auf stets ausreichend Wasser, um den erhöhten Flüssigkeitsbedarf zu decken sollte dringend geachtet werden. Der Kohlenhydratanteil durch „Kraftfutter“ darf unseren Erfahrungen nach an diesen Tagen anteilig geringer sein als üblich, um den Verdauungsapparat zu entlasten, jedoch ist eine ausreichende Proteinzufuhr empfehlenswert. Eine hochwertige Mineralisierung mit einem optimal abgestimmten Vitamin B-Komplex, wie auch eine gezielte und hochwertige Elektrolytzugabe sollte während diesen hohen Beanspruchungen an den Pferdeorganismus im Futterplan berücksichtigt werden.“

Ich stimme meine Fütterung im Winter und im Sommer immer wieder neu ab, da sich unsere Ansprüche und Anforderungen hier ändern (schon alleine im Bezug auf den Fellwechsel). Dabei lässt sich die Fütterung des einen Pferdes nicht automatisch auf die eines anderen Pferdes übertragen, da jedes Pferd eigene Bedürfnisse und Mängel in der Nährstoffversorgung hat. Wenn ihr Euch also nicht sicher seid, dann fragt entweder direkt bei einem Tierarzt nach oder wendet Euch an die verschiedenen Futtermittelhersteller. Durch eine ausführliche Beratung kann herausgefunden werden, welche Ansprüche ihr habt. Manchmal weiß man davon selbst noch gar nichts und es kristallisiert sich erst in einem Gespräch mit einem Dritten heraus. Auch in Bezug auf die Menge der Fütterung kann Euch der Hersteller ganz individuell Tipps geben, denn die Hinweise auf der Verpackung ist sehr allgemein gehalten.

Am besten lasst ihr zum Winter / Sommer ein Blutbild durch einen Tierarzt machen und könnt dann die Fütterung entsprechend anpassen. Hier im Süden z. B. haben wir sehr selenarme Böden, deshalb wird dieser Mineralstoff hier gerne gefüttert. Ob Dein Pferd aber damit automatisch wirklich einen Mangel an Selen hat, das sagt Dir das Blutbild.

Natürlich muss jeder die Fütterung für sich und sein Pferd individuell entscheiden. Du siehst Deinem Pferd schnell an, ob es unter- oder überversorgt ist. Das Fell gibt schnell Rückmeldung – glänzend und weich ist immer ein gutes Zeichen 🙂 Wenn Dein Pferd stumpfes und mattes Fell hat und Du das Gefühl hast, es ist eher matt und lustlos, dann steckt vermutlich irgendwo der Wurm drin.

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