Kein Sattel – Zwangspause?

Endlich wieder reiten!

Ich muss ehrlich zugeben, in der letzten Zeit war ich wirklich ungenießbar. Ich bin ein Mensch, der sich sehr über seine Leistung definiert und bin auch beim Sport sehr zielstrebig. Mein Sport ist mein Ausgleich in emotionaler Sicht, hier kann ich abschalten und muss mich auf mein Gegenüber voll und ganz einlassen. Und wenn mir eben dieser Ausgleich eine Weile fehlt, dann gehe ich mir sogar selbst unglaublich auf den Keks (an dieser Stelle mal ein großes SORRY an mein Umfeld).

Seit kurz vor unserem ersten (und letzten) Lehrgang Anfang November passte unser Sattel nicht mehr, er war zu eng und ich hatte regelrecht das Gefühl, ich würde auf dem Pony „schwimmen“. Zudem rutschte er immer wieder nach rechts oder links. Da Bruno ja in jeder Hinsicht unglaublich sensibel ist und schon auf die minimalste Gewichtsverlagerung reagiert, war es einfach unmöglich, so weiter zu reiten. Deshalb hatten wir jetzt gut drei Monate Zwangspause – die Sattler in unserer Gegend sind nahezu immer ausgebucht und ich habe einfach keinen Termin zum Anpassen bekommen. Der nächste Lehrgang in gut zwei Wochen steht schon vor der Türe und ich habe mich mittlerweile schon mit dem Gedanken abgefunden, dass er dieses Mal ohne uns stattfindet.

WeIche Alternativen gibt es zum Sattel? Die letzten Wochen haben wir longiert, longiert und – richtig – longiert! Ich longiere unglaublich gerne und grade Bruno braucht auch immer wieder seine Einheiten vom Boden aus. Allerdings stoße ich hier bei bestimmten Problemen einfach an Grenzen, bei denen ich nicht weiterkomme. Das ist natürlich unzufrieden stellend fürs Pony und für mich. Ich habe zwar ein Reitpad, allerdings habe ich mich bisher nicht wirklich getraut, das beim Pony zu nutzen.

Wieso eigentlich?
Bruno ist sehr sensibel und ängstlich beim Reiten und wir üben noch immer das problemlose Auf- und Absteigen (was jetzt momentan natürlich auch ausfallen musste). Zudem sieht er eine Aufstiegshilfe stets als riesengroßes Monster, sodass Aufsteigen mit Stuhl etc. eher schwieriger ist. Also wüsste ich im ersten Moment auch gar nicht, wie ich denn auf die 1,46 Meter hoch kommen soll, wenn ich alleine am Stall bin. Zudem hatte ich ein wenig Bedenken, auch oben zu bleiben, weil er auf die kleinste Änderung meiner Position / meines Gewichts reagiert und ich das Experiment nicht gleich im Runterfall-Trauma enden lassen wollte.

Doch dann habe ich mich zurück erinnert, welch erstaunlich gute Erfahrung ich mit dem Reitpad und meinem Rentner Damiro gemacht habe. Damiro ist unglaublich unbequem, hat viel Schwung, viel Widerrist und eine sehr ausgeprägte Wirbelsäule – und zudem wahnsinnig faul. Ich hatte das Reitpad eigentlich nur für gelegentliche Ausritte nutzen wollen, doch der Bube lief unter diesem Pad so schön locker und entspannt und es war erstaunlich einfach und bequem, in dem Reitpad zu sitzen.

Also habe ich das Reitpad heute Morgen einfachmal angegurtet und ausprobiert. Das Fazit: manchmal muss man „einfach mal machen“.

Das Aufsteigen hat überraschend gut geklappt. Ich glaube, ich mache mir hier einfach immer selbst zu vielen Gedanken, anstelle mich einfach mal hochzuschwingen. Am Anfang war es etwas ungewohnt, allerdings hat er sich erstaunlich schnell daran gewöhnt. So ein Pad ist wahnsinnig gut, um das Gefühl zu schulen. Jede kleine Bewegung wird sofort wahrgenommen. Man kann sich so wirklich gut auf den eigenen Sitz konzentrieren und dabei gleichzeitig den Bewegungsablauf des Pferdes intensiv mitfühlen. Defizite werden unverfälscht und schonungslos gleich offensichtlich und man muss sich erziehen, wirklich gerade und locker mit der Bewegung mitzugehen. Ich konnte mich wunderbar mit jedem einzelnen Schritt und Tritt des Ponys auseinandersetzen und bewusst reiten. Ich glaube, der Ponymann fand es auch ganz in Ordnung, er hat zumindest schon im Schritt entspannt abgeschnaubt und sich sehr auf mich konzentriert.

Ein Reitpad ist eine wirklich tolle Alternative, als Übergang oder einfach mal für zwischendurch als Abwechslung. Ein dauerhaftes Reiten damit halte ich aber nicht für sehr sinnvoll, weil lösende Lektionen wie leichttraben, im leichten Sitz vorwärts/abwärts o. ä. eher schwierig sind. Natürlich kann man auch ohne Steigbügel leicht traben, allerdings sollte es zum lockeren lösen sehr entspannt für Pferd und Reiter sein, um Losgelassenheit auf beiden Seiten zu erzielen.

Ich freue mich jetzt, für den Übergang eine Möglichkeit gefunden zu haben, weiter an unseren Schwachstellen Stellung / Biegung arbeiten zu können, bis wir endlich einen neuen Sattel haben. Auch, wenn ich mich als sehr sattelfest und meinen Sitz als relativ ordentlich bezeichnen würde, ist der Umstieg vom Großpferd zum Pony doch ganz schön Arbeit.
Mein Sitz wird es mir vermutlich danken J

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