Winterfell (Alp-) Traum?!

Die Tage sind wieder kürzer, die Temperaturen kühler und die Sonne kann sich nicht mehr in voller Helligkeit durchsetzen. Herzlich Willkommen Herbst! Eine der – wie ich finde – schönsten Jahreszeiten im Jahr! Leuchtende Farben von Laub-Blättern überall in der Natur und nach diesem sehr heißen Sommer können gerade wir Reiter mit unseren Pferden endlich ein bisschen aufatmen.

Vom Sommer müde geworden, werden die Pferde langsam wieder knackiger in Gemüt und Bewegungen und auf der Stallgasse tummelt man sich wieder zur Fashion-Show der kompletten Ausstattung. Im Sommer war ja eher „so wenig anzuhaben, wie möglich“ an der Tagesordnung.

Apropos so wenig wie möglich anhaben. Mit den kälteren Tagen kommt auch ein ungeliebter Gast: das Winterfell. Eigentlich eine ganz tolle Sache, dieses Winterfell. Ein natürlicher Schutz und quasi Isolation für die Haut. Bei den meisten Pferden regelt der Körper den Wärmehaushalt auch am besten selbst, ohne dass wir von außen eingreifen müssen. Kuschlig weich ist es zudem auch noch, also was spricht gegen einen dicken Pelz?

Das Winterfell wird dann problematisch, wenn wir mit unseren Pferden regelmäßig mittlere Arbeit betreiben. Reiten wir unsere Pferde täglich bis zu einer Stunde am Tag in allen drei Gangarten oder trainieren darüber hinaus intensiver in den diversen Disziplinen, kommt das Pferd – genau wie wir Menschen – natürlich ins Schwitzen. Was man im Sommer ganz schnell mit einer Dusche abwaschen kann und nach ein paar Minuten in der Sonne komplett wieder getrocknet ist – bleibt im Winter im dicken Fell kleben. Der Schweiß verklebt das Fell und es kann zu Scheuerstellen kommen, zudem verfängt sich Schmutz (z. B. Sand) schneller in nassem, denn in trockenem Fell. Zudem trocknet das Fell im Winter ziemlich langsam und man muss teilweise noch ziemlich lange Zeit im Stall verbringen, bis das Pferd vollständig abgeschwitzt hat. Steht das Pferd mit nassem Fell im Stall, kann es sich sehr schnell erkälten. In diesem Fall ist man besser beraten, das Pferd zu scheren, hierzu gibt es viele verschiedene Formen – radikal kahl scheren muss nicht immer sein. Hier muss man sich, sein Pferd und das Training ehrlich selbst reflektieren um zu entscheiden, welche Schur ausreicht. Dementsprechend muss auch die Füllung der Pferdedecke gewählt werden. Denn klar ist, dass ein geschorenes Pferd unbedingt eingedeckt werden muss, um nicht zu frieren!

Auch der richtige Zeitpunkt spielt hier eine große Rolle. Oft hört man, dass man dichten Fellwuchs abschwächen kann, in dem man frühzeitig eindeckt. Allerdings kommt es hierbei nicht nur darauf an, dass es kälter wird, sondern auch die abnehmende Tageslichtlänge spielt hier eine große Rolle. Schuld ist hier die sogenannte Zirbeldrüse. Sie ist Teil des Zwischenhirns und quasi die Uhr des Fellwechsels. Die Zirbeldrüse reagiert auf Änderungen des Tageslichts und gibt den Startschuss für den Fellwechsel. Deshalb ist ein frühes Eindecken kein Garant dafür, um das Scheren herumkommen zu können. Je nach Bedarf und Fellwuchs muss auch mehrere Male innerhalb der kalten Jahreszeit nachgeschoren werden.

Unterstützen können wir das Pferd während des Fellwechsels und der kalten Tage mit einer auf den Bedarf komprimierten Fütterung und einem erhöhten Pflegeaufwand des Fells – ob geschoren oder nicht. Bierhefe und Leinöl übers Futter helfen dem Organismus des Pferdes, bei der anstrengenden Prozedur ohne Mängel durch den Fellwechsel. Kleine abgestoßene oder gerade im Wachstum befindliche Härchen können auf dem Pferd schnell und ziemlich fies jucken – deshalb ist es wichtig, die Pferde intensiv zu putzen – auch mit kurz geschorenen Fell. Sonst erledigt das Pferd das von selbst, was dann in bösen Scheuerstellen enden kann.

Was für jeden Einzelnen am besten passt – muss aber jeder für sich selbst entscheiden und sollte sich hier nicht von anderen beeinflussen oder bequatschen lassen. Man kennt sich selbst, sein Training und vor allem die Bedürfnisse seines Pferdes selbst am besten!

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